Naherholung
2025
Die Ferienheime des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB) prägten über Jahrzehnte das Urlaubsleben in der DDR. Sie standen für ein staatliches Versprechen - Erholung für alle, bezahlbar und zugänglich, eingebettet in das Ideal kollektiver Freizeitgestaltung. Orte wie Oberhof im Thüringer Wald oder die Campingplätze und Naherholungsgebiete in der Dübener Heide waren Symbole eines Systems, das Gemeinschaft und Gleichheit auch im Urlaub erfahrbar machen wollte.
Nach der Wende brach dieses Modell schlagartig zusammen. Viele der Gebäude verfielen oder wurden privatisiert; ganze Naherholungszentren verloren ihre ursprüngliche Funktion. Heute zeigt sich ein Bild der Transformation: Ehemalige FDGB-Heime dienen als Hotels im Wettbewerb der Marktwirtschaft, Campingplätze wurden an private Betreiber übergeben, und die umliegenden Dörfer und Städte kämpfen mit strukturellem Wandel, Abwanderung und wirtschaftlicher Unsicherheit.
Die Vergangenheit bleibt dabei sichtbar. Architektur und Atmosphäre erinnern an das alte System, während neue Nutzungen das Bild überlagern. Nostalgie trifft auf Ernüchterung, kollektive Erinnerung auf die Realität eines privatisierten Tourismus. Diese Orte stehen exemplarisch für die Brüche nach der Wiedervereinigung und werfen die Frage auf, welche Rolle Geschichte in einer Region spielt, die sich zwischen Erinnerung und Zukunft neu erfinden muss.The holiday resorts of the Free German Trade Union Federation (FDGB) shaped the culture of leisure in the GDR for decades. They embodied a state-sponsored promise — recreation for all, affordable and accessible, embedded within the ideal of collective leisure. Places such as Oberhof in the Thuringian Forest or the campsites and recreation areas of the Dübener Heide stood as symbols of a system that sought to make community and equality tangible, even in vacation.After the fall of the Wall, this model collapsed abruptly. Many of the buildings fell into disrepair or were privatized; entire recreation complexes lost their original function. Today, what emerges is a landscape of transformation: former FDGB resorts operate as hotels in a competitive market economy, campsites have been handed over to private operators, and the surrounding towns and villages struggle with structural change, depopulation, and economic uncertainty.The past remains visible. Architecture and atmosphere recall the former system, while new uses superimpose a different reality. Nostalgia meets disillusionment; collective memory encounters the pragmatics of privatized tourism. These sites stand as exemplars of the ruptures following reunification and pose the question of how history continues to resonate in a region compelled to reinvent itself between remembrance and the future.