Istanbul
2025
Istanbul fasziniert seit jeher durch seine Lage zwischen zwei Kontinenten und eine Geschichte, die von Brüchen und Transformationen geprägt ist. Abseits des touristischen Blicks zeigt sich eine Stadt, in der Fischer am Bosporus, Ladenbesitzer, Händler sowie Kinder und Jugendliche in den verwinkelten Straßen den Alltag und die Identität prägen - oft mit bescheidenen Mitteln, aber spürbarem Selbstbewusstsein und Lebensfreude.
Der Zeitpunkt dieser Beobachtungen fiel in eine Phase markanter Kontraste. Die Stadt bereitete sich auf das 100. Jubiläum der Republik vor; rote Fahnen und übergroße Porträts Atatürks bestimmten das Straßenbild. Gleichzeitig erschütterte ein Erdbeben der Stärke 6,4 die Region und machte die fragile Bausubstanz, sowie die allgegenwärtige Gefahr eines verheerenden Bebens sichtbar. Hinzu kam die Verhaftung des Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu wenige Wochen zuvor - ein Ereignis, das Istanbul erneut als politischen Gegenpol zum restlichen Land erscheinen ließ.
Die Spannungen zwischen Stolz und Zusammenhalt, Verwurzelung in Tradition und dem Bewusstsein für Unsicherheit, sowie der Sehnsucht nach politischer Veränderung prägen das Bild dieser Metropole. Istanbul erscheint damit als ein Ort der Gegensätze - fragil und kraftvoll, konservativ und fortschrittlich zugleich, ein Spiegelbild der Türkei in einem urbanen Mikrokosmos.Istanbul has long captivated the imagination through its unique position between two continents and a history marked by rupture and transformation. Beyond the touristic gaze, the city reveals a fabric of everyday life shaped by fishermen along the Bosporus, shopkeepers, traders, and children navigating the labyrinthine streets — often with modest means, yet with palpable confidence and vitality.These observations were made during a period of striking contrasts. The city was preparing for the centenary of the Republic; red flags and oversized portraits of Atatürk dominated the urban landscape. At the same time, an earthquake measuring 6.4 on the Richter scale shook the region, exposing the fragility of its building structures and the ever-present threat of a devastating tremor. Only weeks earlier, the arrest of Mayor Ekrem İmamoğlu had underscored Istanbul’s role as a political counterweight to the rest of the country.The tensions between pride and solidarity, between rootedness in tradition and an awareness of uncertainty, as well as a yearning for political change, define the atmosphere of this metropolis. Istanbul thus emerges as a place of contradictions — fragile yet resilient, conservative yet progressive — a mirror of Turkey itself, condensed within an urban microcosm.